Wissenswerte Informationen zu Speise-, Pflanzenölen

Inhaltstoffen als Lebensmittel

Wie anfangs schon erwähnt, lassen sich aus fast allen Samen, dazu gehören auch Nüsse, fette Öle herstellen, manchmal mit einer sehr geringen Ausbeute und manchmal mit einem hohen Ertrag. Viele davon gehen in die Technik – meist als Schmiermittel oder in die Seifenproduktion, einige werden weiterverarbeitet und ein gewisser Teil geht in die Nahrungsmittelindustrie und in die Kosmetik.

Als Speiseöl haben viele Pflanzenöle eine lange Tradition.  Eingeborenenstämme in vielen Teilen der Welt benutzen schon seit Jahrhunderten regional wachsende Pflanzen als Öllieferanten. Da gibt es dann Öle, von denen wir in den sogenannten Zivilisationsländern noch nie etwas gehört haben. Im Zeichen der Globalisierung tauchen heutzutage immer wieder neue Öle auf, die, wenn man die Inhaltsstoffe untersucht, erstaunliche Entdeckungen mit sich bringen. An Hand der traditionellen Anwendung des jeweiligen Öls bei den Einheimischen kommen vielerlei Erkenntnisse zutage, sei es im traditionellen Gebrauch oder im Lebensmittelbereich. 


Erhitzbarkeit von fetten Pflanzenölen

Dies ist ein sehr umstrittenes Thema. In meiner Tätigkeit auch als Ölmüller konnte ich dazu viele kaltgepresste Öle ausprobieren. Und dieses Thema wird von sehr vielen Experten unterschiedlich bewertet. Es erstaunt mich oftmals, - was für Öle als Empfehlung zur Hocherhitzbarkeit gegeben werden. Vorweg, alle raffinierten Öle sind hocherhitzbar – aber wie schon erwähnt auch relativ wertlos. Von kaltgepressten Ölen kann ich definitiv empfehlen:

  • Hocherhitzbar 
    • Cocosöl, Olivenöl, Arganöl, Erdnussöl, Babassuöl, Marulaöl, Mangobutter, Sojaöl, Traubenkernöl, Kakaobutter.
  • Kurz erhitzbar
    • Haselnussöl, Pistazienöl, Macadamianussöl, Maiskeimöl, Mandelöl, Nigeröl, Sesamöl.
  • Nicht erhitzbar
    • All die anderen mit dem Hinweis – für die kalte Küche……

Durch die Verwendung von Trans-Fettsäuren, und dies drückt sich in der harmlosen Deklaration auf vielen Lebensmitteln von „gehärteten Fetten“ aus, entstehen freie Radikale. Freie Radikale gelten als hoch krebserregend und statt dass die freien Radikale bekämpft werden, wie es viele kaltgepresste Pflanzenöle von Natur aus tun, ist hier das Gegenteil der Fall. Normalerweise können ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3, 6 und 9) nämlich dazu beitragen, dass ein hoher Cholesterinspiegel abgebaut wird und nicht umgekehrt. Doch bei dem Angebot an Pflanzenölen, die das Qualitätsmerkmal „nativ – kaltgepresst“ auf dem Etikett aber nicht in der Flasche haben, werden in der Ernährung und – diesen Umstand registriert man kaum – auch in der Kosmetik in keinster Weise gesunderhaltende, fördernde oder pflegende Produkte konsumiert. Wenn man in der Körperpflege schon in den Bereich der Naturkosmetik übergeht, ist auch dies nicht unbedingt eine Garantie für „gesunde Kosmetik“. Sehr viele Hersteller benutzen chemische Öle wie Paraffin, Vaseline etc., weil billig und bis ins Jahr 3000 haltbar. Obwohl als Naturkosmetik angepriesen, findet man hier Rohstoffe und Zutaten, die man eher in den Bereich der Kampfmittelherstellung einsortieren könnte. 

Die EU, allen voran natürlich Deutschland, tut sich allerdings sehr schwer mit der Zulassung im Lebensmittelbereich. Obwohl viele dieser Öle seit Menschengedenken im Herkunftsland als Nahrungsmittel oder zu therapeutischen Zwecken genutzt werden, finden sie nur langsam Zugang zu unseren Märkten. Dies hat nicht immer mit dem Wunsch nach dem Schutz des Verbrauchers zu tun, sondern oftmals spielen marktrechtliche und finanzielle Gründe eine große Rolle.

Verhältnis Omega-3-

zu Omega-6-Fettsäuren

Ein sehr wichtiger Punkt, bei dem sich viele Wissenschaftler nicht einig sind, ist das richtige Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren. Da ein Zuviel an Omega-6-Fettsäuren Botenstoffe entstehen lässt, die deutlich entzündungsfördender im Stoffwechsel wirken als Botenstoffe, die aus Omega-3 entstehen, sollte hier das optimale Verhältnis dieser beiden wichtigen Ome 

ga-Fettsäuren beachtet werden. Zwar sind beide Arten wichtig (Omega-6 wird benötigt für das Wachstum und zur Steigerung der Immunabwehr), aber Omega-6 wird oftmals schon in mehr als ausreichender Menge mit anderer Nahrung zugeführt (Fleisch, Milch, Butter etc.).

Omega-3 tritt hier in den Hintergrund, da das derzeitige Verhältnis dieser Fettsäuren bei ungefähr 20 : 1 liegt, das heißt, die Omega-6-Fettsäure wird zwanzigmal mehr konsumiert als die Omega-3-Fettsäure. Wie schon erwähnt – nicht ganz einig sind sich die Wissenschaftler über das optimale Verhältnis, aber es pendelt sich zusammengefasst auf den Wert von Omega-6 (Linolsäure) zu Omega-3 (Linolensäure) im Verhältnis 3 : 1 ein.

Dieses Verhältnis lässt sich allerdings in der alltäglichen Nahrungsaufnahme schlecht messen und bestimmen.

Hier gibt es nur die eine Lösung, dass man eine oder mehrere zusätzliche Quellen von Omega-3-Fettsäuren in seine tägliche Nahrung mit aufnimmt. Da man meistens die Ölsäurezusammensetzung weiß, kann man anhand dieser die Linolensäureansammlung in den jeweiligen Pflanzenölen erkennen und dementsprechend auswählen, welches Öl man zu sich nimmt. Die hier benötigte Omega 3 Alpha-Linolensäure findet sich zum Beispiel in Leinsamenöl, Sojaöl, Walnussöl, Rapsöl, Hanföl, Sacha Inchi. 

Hierzu jedoch mehr in den einzelnen Pflanzenölportraits. Zu erwähnen wäre noch die besondere Bedeutung der großen Vielfalt an Pflanzenölen mit ihren unterschiedlichen Anteilen an Fettbegleitstoffen, die jede in ihrer Eigenart vorteilhaft auf unsere Nahrungsaufnahme und die daraus entstehenden Entwicklung einwirken. So liegt es nahe, - nicht nur ein bestimmtes Pflanzenöl auf eine längere Dauer zu konsumieren, sondern abwechselnd verschiedene Öle mit Omega-3-Dominanz in die tägliche Ernährung einfließen zu lassen.

Summa sumarum zählen kaltgepresste Pflanzenöle, nach Möglichkeit nicht gefiltert und aus kontrolliert biologischem Anbau, zu den besten „Lebens-Mitteln“ und zu den hochwertigsten Rohstoffen in der Naturkosmetik.

 


 

Zu guter Letzt: Sie finden nachfolgend eine große Vielfalt an verschiedenen Pflanzenölen. Keines gleicht dem anderen, alle sind unterschiedlich. Manche sind sich ähnlich, aber immer doch noch mit einem eigenen Charakter. Das ist die Vielfalt der Natur. Nicht wie in der EU genormt nach Größe und Aussehen, was man auch als einen Angriff auf die Evolution bezeichnen könnte (z.B. sind von 600 verschiedenen Tomatensorten nur wenige zugelassen). Die Natur gibt uns diese Vielfalt – warum sollten wir sie nicht nutzen? Und da jede Pflanze in ihrem Samen diese Individualität mit sich trägt, ist es auch wahrscheinlich, dass jeder Mensch in seiner Individualität auch seine pas 

senden Pflanzen(öle) findet, welche ihm gut tun, sei es in der Pflege, als auch als Lebensmittel.

Gönnen Sie sich das „Lebendige“ für Ihre Haut und Ihren Körper. Die Pflanze „gönnt“ es Ihnen. Tun Sie sich was Gutes, mit dem Gedanken: „Wie wär´s mal mit einem Ölwechsel in Ihrer Küche? Oder in der Hautpflege?“ Die verschiedenen Öle kann man auch gut untereinander mischen. Je nachdem, was das eine Öl an Inhaltsstoffen zuviel hat, hat das andere in manchen weniger. Die Öle mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind oftmals weniger lange haltbar, als Öle mit gesättigten Fettsäuren. Auch hier lassen sich in einer Mischung verschiedene Wirkungen verstärken, es sollten jedoch nicht mehr als fünf verschiedene Öle sein. Bei einer regelmäßigen Einnahme als diätisches Lebensmittel sollte man von einer Mindestdauer von 3 bis 6 Monaten ausgehen. Jedoch auch nicht länger – und dann wechseln. Bei den Ergebnissen ist Geduld angesagt. Ein schöneres Hautbild, eine bessere Immunabwehr zeigen sich nicht von heute auf morgen. Unsere fetten Öle sind kein Massenprodukt. Oftmals tropfenweise ausgepresst, sind sie ein kostbares, häufig sogar ein sehr wertvolles Produkt, für Sie persönlich in kleinen Mengen hergestellt. Lernen Sie es schätzen und genießen Sie die Kraft, Lebendigkeit und die Energie der Pflanzen.


Eine (kleine) Übersicht über die wichtigsten natürlichen Fettsäuren mit ihren Umgangsnamen.

  • Einfach ungesättigt
    • C 14:1 Myristoleinsäure
    • C 16:1 Palmitoleinsäure
    • C 18:1 Ölsäure
    • C 18:1 Vaccensäure
    • C 18:1 Petroselinsäure
    • C 20:1 Eicosensäure
    • C 22:1 Erucasäure
    • C 24:1 Nervonsäure
  • Zweifach ungesättigt
    • C 18:2 Linolsäure
  • Dreifach ungesättigt
    • C 18:3a Alpha-Linolensäure
    • C 18:3 Gamma-Linolensäure
  • Vierfach ungesättigt
    • C 18:4 Stearidonsäure
    • C 20:4 Arachidonsäure
  • Gesättigt
    • C 6:0 Capronsäure
    • C 8:0 Caprylsäure
    • C 10:0 Caprinsäure
    • C 12:0 Laurinsäure
    • C 14:0 Myristinsäure
    • C 16:0 Palmitinsäure
    • C 18:0 Stearinsäure
    • C 20:0 Arachinsäure
    • C 22:0 Behensäure
    • C 24:0 Lignocerinsäure218 

 


Die Natur hat an alles gedacht und wir können aus einem fast unerschöpflichen Reichtum an Pflanzen auswählen, vielleicht auch unter dem Aspekt: „Alles ist unwichtig, wenn die Gesundheit nicht stimmt.“ Und hier kommen wir zu dem großen Bereich der Pflanzenöle.

Literaturhinweise:

  • Lexikon der pflanzl. Fette und Öle (Krist - Buchbauer-Klausberger)
  • Ölpflanzen in Europa (Walter H. Schuster)
  • Pflanzenöle (Harald Löw)
  • Das Ölbuch (Sabine Pohl)
  • Pflanzenöle (Ruth von Braunschweig)
  • Die Suppe lügt (Hans-Ulrich Grimm)
  • Drogenkunde (Heinz A. Hoppe)

 


 

Streitthema

Omega-Fettsäuren

Omega 3/6/9 sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die man als „essentiell“ bezeichnet. Das heißt, - sie sind lebenswichtig und können vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden. Darum müssen sie von außen zugeführt werden. Streitthema ist der Nutzen dieser ungesättigten Fettsäuren, die von mehreren Wissenschaftlern, Epidemiologen und Ernährungsfachkräften sehr unterschiedlich beurteilt werden.

In jüngster Zeit machen „Schlagzeilen“ in renommierten Tageszeitungen von sich reden, in der die Omega-Fettsäuren mit spekulativen Erläuterungen zu negativen Auswirkungen erwähnt werden. Unabhängig vom jeweiligen Ergebnis sind diese Schlagzeilen eigentlich informativ nur das wert, was das Wort „Schlagzeilen“ beinhaltet. Zackbumm! Hier ist die neueste Meinung zu diesem oder jenem Thema. Von mir schon im Abschnitt „Rosen mit Dornen“ inhaltlich zerpflückt, enthält so mancher Bericht sehr viele spekulative Annahmen, dazu noch sehr schlampig recherchiert, nur ein paar Stichpunkte werden herausgenommen, lassen langwierige Untersuchungen außer acht und sind weit entfernt von einer populärwissenschaftlichen Wertberichtigung.

Bei den Omega-3-Fettsäuren unterscheidet man folgende Arten: A-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA), Docosahexaensäure (DHA). Zweifelsohne, und dies wurde durch mehrere seriöse Studien an insgesamt 30.000 Personen bestätigt, sind die EPA und DHA lebensnotwendig. 

Der menschliche Körper wandelt bei einer Einnahme von Omega-3-Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen diese um in die wertvolle EPA. Dies ist beim erwachsenen Menschen geringer als bei einem Säugling, der in seinem Stoffwechsel zu einer verstärkten Umwandlung fähig ist, da er diese EPA unbedingt für seine Hirnentwicklung benötigt. Für die Umwandlung der pflanzlichen a-Linolensäure benötigt der Körper unbedingt die Enzyme Delta-6-Desaturasa und Delta-5-Deturase.

Da aber in westlichen Ländern einschließlich Europa in unserer Nahrung von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren ein sehr ungünstiges Verhältnis besteht (7:1 bis 20 :1), werden die Enzyme vorwiegend zur Umwandlung der Omega-6-Fettsäure Linolsäure in andere Omega-Fettsäuren benötigt. Somit wäre es von Vorteil, wenn eine Reduzierung von Omega-6-Fettsäure angestrebt wird, um mehr Enzyme für die Umwandlung von Omega-3-Fettsäuren zu haben.

Für den täglichen Bedarf der Omega-3-Fettsäuren gibt es sehr unterschiedliche Empfehlungen. Es scheint jedoch festzustehen, dass ein zu geringer Anteil an Omega-3-Fettsäuren negative gesundheitliche Einschränkungen mit sich bringt. Außerdem scheint ein zu hohes Omega-6 zu Omega-3-Verhältnis entzündliche Vorgänge im menschlichen Körper zu verstärken. Summa summarum besteht inzwischen eine große Unsicherheit bei dem Verzehr von ungesättigten Fettsäuren auch durch unterschiedliche Studienergebnisse.

In der plötzlich auftretenden ablehnenden Meinung zu mehrfach ungesättigten Fettsäuren kann ich mich persönlich nicht einreihen. Jahrhundertelanger Gebrauch von Pflanzenölen in regionalen Gebieten wie z.B. Olivenöl in mediterranen Ländern, Sacha Inchiöl in Peru etc. lassen keine negativen Einflüsse erkennen - im Gegenteil. Außerdem beinhalten Pflanzenöle, sofern kaltgepresst, weitere wertvolle Inhaltsstoffe wie fettlösliche Vitamine, Spurenelemente, Phytosterole etc., die nachweislich als Antioxidantien die freien Radikale bekämpfen. Zu guter Letzt sind alle diese Wirkstoffe in einem komplexen Bereich miteinander verbunden und unterscheiden sich dadurch erheblich von einzeln isolierten Stoffen in Tabletten und Kapseln.